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Aus der HNA Hessische Allgemeine vom 4. September 1999
GUNNAR RAVN

Wo Toter Stein lebendig wird

von Britta Erlemann

Grabmale, die etwas über den Charakter Verstorbener aussagen, und Trauerbegleitung für die Hinterbliebenen.

Der Kasseler Gunnar Ravn bringt das unter einen Hut. Bei Gunnar Ravn haben die Grabsteine eine Seele. Wo andernorts die Totendenkmale oftmals kalt und unpersönlich mit ein paar Daten an die Verstorbenen erinnern fertigt der Kasseler Steinmetz personenbezogene Grabmale an.
Zum Beispiel für einen jungen Perser mit schwungvollen Formen, die an einen Palast aus 1001 Nacht erinnern. Für die kleine Andrea mit einem Teddy drauf oder für spirituelle Menschen ein symbolträchtiges Labyrinth, das eine schmale, viereckige Säule mit leicht gerundeten Seiten ziert.
"Damit deutlich wird, daß der Tote jemand Besonderes war", erklärt Ravn.
Und wenn jemand auf den Friedhof gehe, solle der Stein ihn anregen, sich zu fragen, wer die tote Person wohl war.
Der Steinmetzmeister gehört zu den fünf Prozent in Deutschland, die solche Grabmale herstellen. Zunächst führt er mit Angehörigen ein Beratungsgespräch. "Wer hierher kommt, der ist erst mal verwirrt, weil er hier mit so vielen neuen Ideen konfrontiert wird", berichtet der 55jährige.

Trauerbegleitung

Nach dem ersten Gespräch heißt das für viele seiner Kunden: sacken lassen. Ravn versucht sich mit ihrer Hilfe nicht nur ein Bild von dem Verstorbenen zu machen. Er bietet damit gleichzeitig kostenlose Trauerbegleitung an.

Drei bis sieben Beratungen sind meist erforderlich, um dem Grabstein schließlich ein Gesicht geben zu können. Wenn es dabei um Kinder geht, kann ihn das schon mitnehmen. "Als junger Mann kam das nicht so an mich ran, aber durch meine Erfahrung kann ich besser zuhören", sagt Ravn. "Der Tod gehört zu Leben", so seine Philosophie.

Traumjob Schlosser

70 Prozent seiner Kunden wünschen allerdings Grabsteine konventioneller Art. Dafür stecke er in die personenbezogenen mehr Zeit und mehr Liebe. Für die individuellen Grabsteine kommt sein Klientel auch vom Starnberger See bei München, dem Westerwald oder Oldesloe im Norden angereist.
In dem Betrieb des gebürtigen Hamburgers in der Frankfurter Straße 200 arbeitet außerdem noch ein Geselle. Ravns Frau macht die Geschäftsführung.
Gelernt hat er seinen Beruf in der Hansestadt. Eigentlich war sein Traumjob Schlosser. Aber daraus wurde nichts. Als sein Vater im Garten eine Bossenmauer aus Stein baute, "klopfte er mal so ein bisschen am Stein rum" und kam auf dem Geschmack.
Schon während der Lehre in den 60er Jahren wurde er dritter Landessieger im Wettbewerb der Handwerksjugend. Seitdem hat der Steinmetz und Bildhauer zahlreiche Preise für seine Grabmale erhalten, darunter mehrere Medaillen der Bundesgartenschau.
1976 eröffnete er seine Werkstatt in Kassel, die er nur kurzweilig verließ verließ, um als Dozent und freischaffender Bildhauer zu arbeiten.
Seither stellt er auch personenbezogene Grabmale her. Der ehemalige Leiter des Sepulkralmuseums Dr. Hans-Kurt Boehlke hatte in Vorträgen davon gesprochen und Ravn inspiriert.

Mit Leib und Seele

Der Mann mit dem Rauschebart und der weißen Baskenmütze ist Steinmetz mit Leib und Seele. Seine Hände scheinen nicht nur den Stein begreifen zu wollen, den er bearbeitet, sondern auch die Dinge zu erfassen, von denen er spricht.
Fast rund um die Uhr geht der Vater von zwei erwachsenen Kindern seiner Berufung nach. Vom Sonntagsspaziergang über den Friedhof, Bildhauerworkshops für Kinder bis zu Skulpturen und Objekten, die er in der Freizeit angefertigt und in seinen Garten gestellt hat.
Bei Ravn ist toter Stein immer lebendig.


        
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