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Aus: Der Bestatter, Ausgabe 4/2005

Individualität in Stein

Gunnar Ravn trotzt dem Zeitgeist.

Während zunehmend auch im Bestattungswesen eine "Entsorgungsmentalität" nach dem Motto "Geiz ist Geil" Einzug hält, setzt ein engagierter Steinmetz in der nordhessischen Metropole weiterhin unbeirrbar auf die Individualität "seiner" Grabsteine: Gunnar Ravn, der bei seinen Besuchern Assoziationen an den Schlumpfliedsänger Vader Abraham weckt, und in dessen gemütlichem Büro zahllose Miniaturgrabsteine und Skulpturen das Auge des Betrachters dominieren.

Für den 62jährigen Ravn ist sein Beruf Berufung zugleich. Zahlreiche Ehrenurkunden seines Berufsverbandes sowie Teilnahmebestätigungen bei Grabmalwettbewerben künden von dem großen berufsständischen und kulturellen Engagement des Steinmetzmeisters mit Rauschebart und Baskenmütze. Natürlich kann man bei ihm auch den "08/15-Grabstein" bekommen und auch mit dem gängigen Vorurteil, Grabsteine müssten Unsummen kosten, räumt er im Gespräch auf.

Aber Ravns Bemühen ist es trotzdem, im Dialog mit dem Kunden, wobei sich eine Beratung durchaus über mehrere Gesprächstermine hinziehen kann, die Persönlichkeit des Verstorbenen herauszuarbeiten um diese dann möglichst in charakteristischen Motiven der Nachwelt zu vermitteln. Dies kann durch die in Stein verewigte Zeichnung eines Kindes ebenso geschehen wie in einem persönlichen Gedicht, einem Portrait, einem Schriftzug oder aber einem berufsspezifischen Erkennungsmerkmal des Verstorbenen.

Wichtig ist ihm hierbei, Denkmale zu kreieren, wobei die Betonung auf "Denken" liegt. Der Betrachter soll zum Grübeln angeregt werden, er soll einen Moment innehalten und sich fragen, was der Verstorbene wohl für ein Mensch gewesen sein mag und welche Bewandtnis es mit dem individualisierten Grabstein wohl auf sich hat. Selbstverständlich stehen Ravns "Denkmale" oftmals im Gegensatz zu der "Standard-Version", die vielen Friedhofsordnungen zugrunde liegen. Aber mit etwas Phantasie und künstlerischem Geschick ist es ihm bislang fast immer gelungen, den mehr oder weniger starren Vorgaben Folge zu leisten und dennoch etwas Individuelles zu schaffen, das sich positiv von den standardisierten Grabsteinen vieler Friedhöfe abhebt.

Insofern ist er ein unermüdlicher Streiter für eine Friedhofs- und Bestattungskultur, die sich nicht vordergründig nach wirtschaftlichen Argumenten richtet, sondern primär auf die Individualität des Verstorbenen abhebt und für die Nachwelt konservieren möchte.

        
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